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Elterngeld und Elternzeit: Damit das Kind im Fokus steht

Für viele Familien oder Alleinerziehende beginnt mit der Schwangerschaft auch viel Organisation und Verwaltung. Besonders mit dem Arbeitgeber müssen Verabredungen getroffen und das Elterngeld beantragt werden. Hier gibt es einen Fahrplan, wie das geht.

Schwanger! Und jetzt?

Eine wunderbare Zeit ist es, wenn aus der Liebe zweier Menschen etwas Neues entsteht. Vorfreude auf das Kommende ergreift die werdenden Eltern, aber auch Respekt vor der Aufgabe, die ihnen bevorsteht. Ist das Kind gesund? Wie organisieren wir uns als Familie? Es gibt viele Dinge zu besprechen, ganze Lebensentwürfe stehen jetzt auf der Probe. Wer steckt zurück im Job, um für das Baby da zu sein? Was bedeutet ein Kind für die Wohnsituation? Ist vielleicht ein Umzug näher zur Familie sinnvoll, damit die Großeltern am Leben mit dem Kind teilhaben können?

Und dann ist da natürlich auch die Frage nach dem Einkommen. Mehr Zeit für ein Kind – und vielleicht weitere in Zukunft – bedeutet, dass das Familienbudget sinkt. Der Staat unterstützt deshalb Familien mit einer Reihe von steuerlichen und finanziellen Leistungen. Darum soll es in den folgenden Absätzen vor allem gehen.

Wir fokussieren uns in diesem Beitrag auf Menschen, die angestellt arbeiten. Die Regelungen für Beamtinnen und Beamte sowie selbständig Tätige sind teilweise ähnlich, teilweise aber auch sehr unterschiedlich. Ebenfalls würden Tipps für Schülerinnen, Auszubildende oder Studierende sowie Bezieherinnen von Arbeitslosengeld und Sozialhilfe den Rahmen dieses Beitrags übersteigen.

Mutterschutz, Elterngeld, Elternzeit kurz erklärt

Mit dem Kind werden die Eltern sehr schnell auch mit einer Vielzahl von Regelungen konfrontiert. Wir entwirren die Fäden und beginnen mit einer Übersicht der wichtigsten Begriffe.

Mutterschutz und Mutterschutzfrist

Mutterschutz bezeichnet die besonderen Regelungen rund um die Schwangerschaft, die der Arbeitgeber zum Gesundheitsschutz der Schwangeren treffen muss. Das Bundesfamilienministerium fasst es so zusammen: „Für Schwangere sind gefährliche Arbeiten, Nachtschichten, Akkord- und Fließbandarbeit tabu. Gegebenenfalls sind Arbeitsplätze so umzugestalten, dass Gesundheitsgefährdungen für Mutter und Kind ausgeschlossen sind. Sonn- und Feiertagsarbeit sowie Arbeitszeiten bis 22 Uhr sind für schwangere und stillende Frauen nur erlaubt, wenn sie damit einverstanden sind.“

Sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt dürfen Frauen nicht angestellt arbeiten. Das versteht man unter Mutterschutzfrist. Bei Frühgeburten, Zwillingen und behinderten Kindern beträgt die Schutzfrist nach der Geburt zwölf Wochen.

Besonderen Schutz genießt eine Mutter auch durch den Kündigungsschutz: Vom Beginn der Schwangerschaft an bis zum Ablauf von vier Monaten nach der Entbindung darf der Arbeitgeber in der Regel keine Kündigung aussprechen. Das gilt auch im Fall einer Fehlgeburt nach der zwölften Schwangerschaftswoche.

Mutterschaftsgeld oder Mutterschutzlohn

Angestellte Frauen erhalten währende der Mutterschutzfrist das so genannte Mutterschaftsgeld. Es richtet sich nach dem Durchschnittsverdienst in den letzten drei Monate vor dem Mutterschutz. Es setzt sich aus Zahlungen der Krankenkasse, des Bundesamtes für Soziale Sicherung und des Arbeitgebers zusammen.

Manchmal stellt der Arzt ein Beschäftigungsverbot aus, das vor oder nach dem Mutterschutz ganz oder teilweise verhindert, dass eine Frau in ihrer normalen Position arbeitet. Das kann zum Schutz des noch ungeborenen Kindes geschehen oder zum Beispiel Kraftanstrengungen verhindern, der die Frau noch nicht wieder gewachsen ist. Dann greift der Mutterschutzlohn, den alleine der Arbeitgeber trägt.

Elternzeit

Mit der Elternzeit schafft der Staat einen zeitlichen Freiraum für Eltern oder Alleinerziehende, die in den ersten Lebensmonaten oder -jahren Zeit mit ihrem Kind verbringen und es erziehen wollen. Jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer kann bis zu drei Jahre Elternzeit nehmen. Nach der Rückkehr hat er oder sie Anspruch auf den gleichen oder einen gleichwertigen Arbeitsplatz im Unternehmen.

In der Regel wird die Elternzeit in den ersten drei Jahren des Kindes genommen, sie kann aber in Teilen bis zum achten Jahr reichen.

Elterngeld

Während der Elternzeit müssen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht arbeiten – und bekommen auch keinen Lohn. Das gleicht diesen Verdienstausfall etwas aus. Es gibt drei Varianten von Elterngeld:

  • Basiselterngeld (maximal 14 Monate)
  • ElterngeldPlus (halbe Leistung über maximal 28 Monate)
  • Partnerschaftsbonus (gleicht Verdienstausfälle über vier Monate zusätzlich aus)

Je nach Einkommen beträgt das Basiselterngeld zwischen 300 und 1.800 Euro monatlich und das ElterngeldPlus zwischen 150 und 900 Euro monatlich. Wer Mehrlinge zur Welt bringt, oder bereits Kinder hat, kann Zuschläge bekommen.

Eltern können während sie Elterngeld beziehen in Teilzeit arbeiten – beim bestehenden Arbeitgeber oder mit dessen Zustimmung auch woanders. Für sie eignet sich das ElterngeldPlus, weil es das Einkommen aufstockt, aber nicht voll ersetzen muss.

Es ist möglich, verschiedene Varianten in verschiedenen Zeiträumen zu kombinieren und damit auf die individuelle Situation der jungen Familie einzugehen. Hervorragend anhand einiger Bespiele dargestellt sind die Varianten bei der Stiftung Warentest.

Übrigens: Um Elterngeld zu beziehen, muss man einige Bedingungen erfüllen! Mutter oder/und Vater betreuen und erziehen Ihr Kind selbst. Sie leben mit Ihrem Kind in einem gemeinsamen Haushalt – und sie leben in Deutschland. Sie arbeiten nicht oder höchstens 30 Stunden pro Woche. In Notsituationen können auch Großeltern, Urgroßeltern, Tante oder Onkel, Bruder oder Schwester Elterngeld beantragen, zum Beispiel wenn sie im Krankheits- oder Todesfall bei der Kinderbetreuung einspringen.

Elterngeld beantragen: Wann und wo in Baden-Württemberg?

Vor der Beantragung von Elterngeld liegt die Entscheidung, wie die Eltern sich die Sorgearbeit aufteilen wollen. Daran anschließend kann eine Beratung in steuerlichen Dingen sinnvoll sein – je nach Steuerklasse ergeben sich bei der Beantragung des Elterngeldes spürbare Vorteile.

Darauf folgen die mitunter kniffeligen Absprachen mit dem oder den Arbeitgebern, wie die Zeit nach der Geburt ablaufen soll. Elternzeit muss ein Arbeitgeber gewähren, aber nicht alle Arbeitgeber sind flexibel und entgegenkommend, wenn es um Teilzeitbeschäftigung in der Elternzeit geht. Der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin muss dem Arbeitgeber mindestens sieben Wochen vor Antritt der Elternzeit mitteilen, wie lange und wann er oder sie Elternzeit nehmen möchte. Das früh zu tun, hilft dem Arbeitgeber, entsprechend für Vertretungen zu sorgen. Die Entscheidung über Datum und Länge der Elternzeit liegt ganz beim Arbeitnehmer. Bei der Beschäftigung in Teilzeit während der Elternzeit gibt es unter Umständen mehr Verhandlungsmöglichkeiten. So oder so: Alle Vereinbarungen schriftlich dokumentieren und bestätigen lassen. So kommt es später nicht zu Missverständnissen.

Ist das alles geklärt, geht es an den Kindergeldantrag. Zuständig in Baden-Württemberg ist die L-Bank. Hier kann man ein Konto anlegen, alle notwendigen Informationen sammeln und zusammenstellen. Dann ist alles gut vorbereitet und man muss in den aufregenden Wochen nach der Geburt seine Zeit nicht mit Verwaltungsakten verbringen. Ist das Kind auf der Welt und halten die Eltern die Geburtsbescheinigung in Händen, geht dann das Abschicken des Antrags vergleichsweise fix. Und dran denken, Elterngeld wird maximal drei Monate rückwirkend gezahlt!

Tipp: Manchmal ist es schwer, über einen Zeitraum von bis zu 28 Monaten alle Eventualitäten mitzubedenken. Deshalb können Eltern den Elterngeldantrag nach der Geburt ohne Angabe von Gründen mehrfach abändern und an ihre Lebenssituation, das Temperament des Kindes oder unvorhergesehene Entwicklungen anpassen.

Diese Unterlagen braucht man für den Elterngeld-Antrag

  • Die Geburtsbescheinigung
  • Bescheinigung der Krankenkasse über den Bezug von Mutterschaftsgeld nach der Geburt
  • Bescheinigung des Arbeitgebers über den Zuschuss zum Mutterschaftsgeld nach der Geburt
  • Einkommensnachweise, in der Regel die Lohnabrechnungen der letzten zwölf Monate – bei Müttern zwölf Monate vor Beginn des Mutterschutzes.

Online-Rechner und Co.: Nützliche Quellen

Sehr umfassende und nützliche Informationen gibt es auf der Seite „Familienportal“ des Bundesfamilienministeriums unter Familienleistungen.

Das Familienportal stellt Eltern auch einen Elterngeldrechner zur Verfügung, damit sie sich unverbindlich über die voraussichtliche Höhe der Leistungen informieren können.

Stiftungen oder wohltätige Einrichtungen unterstützen werdende Eltern mit kleinem Geldbeutel, zum Beispiel die Bundesstiftung Mutter und Kind.