5 Min. aktualisiert am 25.01.2022

Wissen & Bildung

Hausaufgaben – das ewige Streitthema

„Musst du nicht noch Vokabeln lernen?“, „Hattest du keine Mathe-Aufgaben auf heute?“ – so oder ähnlich klingt es, wenn Kinder sich ums ungeliebte Thema Hausaufgaben herumdrücken – oder es versuchen. Das kann Gründe haben. So unterstützen Sie ihr Kind dabei, mit der Herausforderung umzugehen.

Darum gehören Hausaufgaben in den meisten Schulen dazu

Eigentlich ist das mit den Hausaufgaben ja eine ganz sinnvolle Sache: Kinder sollen Inhalte, die tagsüber im Unterricht besprochen wurden, noch einmal festigen. Wenn ich zum Beispiel morgens etwas Kommasetzung gelernt habe, kann ich nachmittags mit den Hausaufgaben üben, das neue Wissen anzuwenden. Das prägt sich dann besser ein, und neue Inhalte können darauf aufbauen.

Dazu kommt, dass Hausaufgaben auch ein realistisches Bild davon geben, wie weit ein Kind mit dem Stoff gekommen ist. Verständnislücken, Über- oder Unterforderung werden schnell deutlich. Eine Lehrperson, die Hausaufgaben mit Augenmaß verteilt und auch wirklich die Ergebnisse abfragt, kann bei Bedarf Inhalte wiederholen oder vertiefen.

Zudem lernen Kinder in der Zeit, die sie nicht im Unterricht verbringen, sich zu organisieren. Das Hausaufgabenheft zu führen und die Aufgaben für die verschiedenen Fächer pünktlich fertig zu haben, ist besonders für Jüngere eine Herausforderung. Sich zu motivieren, die Aufgaben zu machen und dabei nicht zu schummeln, eine Leistung an sich.

Kurzum: Hausaufgaben dienen der Vertiefung von Inhalten, der Verständniskontrolle und der persönlichen Entwicklung der Kinder.

Mütter und Väter sind keine Aushilfslehrer

Eltern wollen das Beste für ihr Kind, und das ist auch gut so! Sie wünschen sich gute Noten und Erfolg für ihren Nachwuchs, Weiterkommen, eine Gymnasialempfehlung, ein Studium, einen guten Beruf. Eltern wissen, wie lang und mühsam der Weg zu einem auskömmlichen Beruf ist. Sie denken weiter.

Kinder dagegen kämpfen im Hier und Jetzt mit den Vokabellisten und Nebenflüssen den Rheins. Ihre Eltern sind hin- und hergerissen: Sie möchten ihre Kinder unterstützen mit ihrem Wissen und auch durch Kontrolle. Aber andererseits spüren sie, dass es eigentlich nicht ihre Aufgabe sein kann, stundenlang mit ihrem Nachwuchs über den Aufgaben zu grübeln. Und letzteres ist auch absolut richtig: Eltern sind keine Aushilfslehrer.

Manches Wissen wird heute anders vermittelt als vor 30 Jahren, überengagiertes Helfen beiden Hausaufgaben kann Kinder im schlimmsten Fall sogar verwirren – einfach, weil ihre Lehrperson Dinge anders erklärt als ihre Mutter. Dazu kommt, dass viel Hilfe bei den Hausaufgaben das Kind zwar im Unterricht zunächst gut dastehen lässt, aber dieser Effekt ist nicht von Dauer. Denn: Eltern nehmen ihren Kindern die Möglichkeit, sich selbst durchzukämpfen. Und auch die wichtige Erkenntnis, etwas einfach noch nicht verstanden zu haben. Das wiederum ist wichtig für die Kontrolle in der nächsten Unterrichtsstunde.

Und auch wenn es vielleicht unangenehm ist, darüber nachzudenken: Wenn Kinder dauerhaft nicht mit dem Unterrichtsstoff und den Aufgaben zurechtkommen, ist die aktuelle Situation vielleicht nicht die richtige für sie. Mehr dazu im Punkt „Wenn es gar nicht funktioniert: sich Hilfe holen“.

Das Hausaufgabenheft als Kommunikationsinstrument

Im Hausaufgabenheft halten die Kinder fest, welche Aufgaben für welches Fach bis wann erledigt sein müssen. Dieses Heft gut zu führen, ist eine Basis für Erfolg bei den Hausaufgaben. Und es ist für Eltern ein Instrument zu prüfen, ob Hausaufgaben gemacht sind, ohne inhaltlich einzusteigen. Gelegentlich findet übers Hausaufgabenheft auch Kommunikation mit der Lehrerin oder dem Lehrer statt. Schenken Sie Ihrem Kind doch ein hübsch gestaltetes Heft, damit dieser tägliche Begleiter ein bisschen Spaß macht.

Hausaufgabenblues? So können Eltern Motivation geben

Im Abwägen, wieviel Hilfe gut und richtig ist, geben Kinder selbst Signale, was sie brauchen. Wenn sie um Hilfe bitten, weil sie eine Aufgabe nicht verstehen oder anders „feststecken“, dann ist es wichtig, das ernst zu nehmen und sich Zeit für die Frage zu nehmen.

Motivierend ist es auch, wenn Eltern gemachte Hausaufgaben würdigen – nicht inhaltlich, sondern einfach, weil sich das Kind vielleicht durch eine schwierige Aufgabe durchgebissen hat. Denn: Mit Motivation kommt man beim Thema Hausaufgaben auf jeden Fall weiter als mit Druck.

Professionelle Hausaufgabenbetreuung

Nicht alle Eltern können ihr Kind gut unterstützen. Manche arbeiten in Vollzeit, da reicht die Zeit einfach nicht. Andere haben vielleicht selbst mit Mathe oder Französisch gekämpft. Nicht-Muttersprachler, die in einem anderen Bildungssystem ihren Schulabschluss erworben haben, fremdeln vielleicht mit den Unterrichtsmethoden oder -inhalten.

Ein weiterer Grund, warum Eltern sich mit der Hausaufgabenfrage überfordert fühlen, ist das seltsam uneindeutige Verhalten der Kinder: Sie fordern Hilfe ein und lehnen diese gleichzeitig ab. Manche Eltern kennen das – sie werden gebraucht, aber wenn sie sich dann kümmern wollen, hören die Kinder gar nicht richtig zu, weil sie es „sowieso nicht verstehen“. Das ist für beide eine frustrierende Situation.

Eine Lösung kann sein, Hausaufgabenbetreuung in Anspruch zu nehmen. Manche Schulen bieten das an, manchmal in Kooperation mit Sozialverbänden. Auch Nachhilfeschulen oder freie Nachhilfelehrerinnen und -lehrer bieten Hausaufgabenbetreuung an. Dabei geht es nicht um Nachhilfe, sondern darum, dass jemand das Kind beim selbständigen Erledigen der Aufgaben begleitet. Das kann persönliche Konflikte zwischen Eltern und Kind reduzieren, weil die Eltern nicht in die Lehrerrolle schlüpfen müssen. Und es kann für das Kind eine hilfreiche Phase sein, zudem die Aufgaben dann gemacht und aus dem Sinn sind!

Einen Rahmen schaffen für konzentriertes Arbeiten

Jede Lehrerin und jeder Lehrer sagt es vermutlich beim ersten Elternabend: Es ist wichtig, dass Kinder einen ruhigen und einigermaßen aufgeräumten Ort für ihre Aufgaben haben. Sie müssen sich konzentrieren können, der Blick sollte nicht aufs Lieblingsspielzeug fallen.

Manche Kinder lassen sich gerne von Musik ablenken oder lassen den Fernseher laufen. Für Erwachsene mag die Idee abenteuerlich klingen, denn schließlich lenken Songtexte doch vom Lernen ab, oder? Musik zu hören, verbraucht Ressourcen, die dann der Konzentration auf die Aufgaben fehlen. Andererseits sind junge Leute es gewohnt, Musik zu hören und fühlen sich in der Stille vielleicht ungewohnt. Deshalb sollte es eine individuelle Entscheidung sein, ob Musik laufen darf beim Lernen. Dabei spielt auch eine Rolle, dass Lieblingsmusik auch die Motivation fördern oder Prüfungsangst dämpfen kann.

Es sich leicht machen: Lernen nach Lust und Laune

Wann man sich frisch fühlt zum Lernen, ist auch eine individuelle Sache. Der eine möchte die Hausaufgaben vielleicht möglichst schnell hinter sich bringen, damit der Nachmittag frei ist für Hobbys und Zeit mit Freunden. Ein anderer Charakter möchte nach der Schule erstmal chillen und auf andere Gedanken kommen. Am Nachmittag dann fällt es ihm leichter, sich nochmal auf die Aufgaben zu konzentrieren.

Manche Kinder haben Sorge, nicht klarzukommen mit den Aufgaben. Vielleicht haben sie Verständnisschwierigkeiten und wünschen sich, dass Eltern oder Geschwister das mit ihm ansehen, können dann aber die Aufgabe alleine erledigen. Andere melden sich nur, wenn sie eine konkrete Frage haben, andere wollen gar nicht kontrolliert werden.

Kinder mit viel Bewegungsdrang können sich vielleicht nicht so lange konzentrieren, weil sie lieber Toben würden. Da kann es helfen, in kurzen Zeitintervallen zu lernen und zwischendurch immer mal ein paar Turnübungen zu machen, ums Haus zu rennen oder ein bisschen zu tanzen.

Jedes Kind, jeder Charakter hat auf seine Weise recht. Sprechen Sie sich ab und lassen Sie möglichst das Kind bestimmen, wie und wann es lernen möchte. Auch das motiviert.

In Maßen zu nutzen: Lernmaterialien und Apps

Wie man sich Inhalte am besten einprägen kann, ist eine Typfrage. Man unterscheidet vier Lerntypen:

  • Auditiver Lerntyp: zuhören
  • Visueller Lerntyp: lesen oder Filme ansehen
  • Motorischer Lerntyp: selber machen
  • Kommunikativer Lerntyp: drüber sprechen

Lernerfolg hängt also davon ab, ob man seinen Lerntyp kennt und sich auch danach richten kann. Das müssen keine großen Sachen sein – zum Beispiel kann es schon helfen, das öde Vokabelheft gegen Vokabelkarten auszutauschen. Oder wenn man mal einen „Hänger“ hat beim Lernen ein anschauliches Erklärvideo auf Youtube oder Ticktock anzusehen. Das kann einen Aha-Moment schaffen, mit dem es dann wieder Spaß macht, die Aufgaben zu Ende zu bringen.

Natürlich gibt es auch jede Menge Lern-Software und -Apps. Die können – je nach Lerntyp hilfreich sein. Auch Kinder, die gerne interaktiv auf dem Tablet unterwegs sind, können sich vielleicht über dieses Medium an die Inhalte annähern. Hier ist es nur wichtig, darauf zu achten, Kinder nicht mit Inhalten zu überfrachten, die gar nicht Bestandteil des Unterrichts sind. Im Zweifel sprechen Sie das mit der Lehrperson ab. Nützlich können zum Beispiel Apps von den Schulbuchverlagen sein, die im Unterricht genutzt werden, etwa für Fremdsprachen.