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Verkehrserziehung - Das ABC zur Sicherheit

Kinder im Straßenverkehr – je nach Wohnlage keine einfache Sache. Doch egal ob ruhiger Vorort oder viel befahrene Hauptstraße: Kinder müssen lernen, sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen. Dabei helfen ihnen die Eltern, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrer und andere Profis wie zum Beispiel Präventionsreferenten der Polizei. Wir zeigen, in welchen Schritten das geschieht.

Klein und langsam: Kinder im Straßenverkehr brauchen Aufmerksamkeit

Es ist eine Frage der Perspektive: Müssen Eltern und Kinder alles tun, um sich im Straßenverkehr zu schützen? Oder ist es eine gesellschaftliche Aufgabe, den öffentlichen Raum für alle gleichermaßen sicher zu gestalten? – Während Politik und Gesellschaft um eine gute Nutzung für den immer knapper werdenden Platz auf Straßen, Plätzen, Geh- und Radwegen ringen, stecken Eltern ein bisschen in der Zwickmühle. Einerseits wollen sie ihr Kind möglichst vor allen Gefahren beschützen und am liebsten im Auto bis zum Schultor fahren. Andererseits wissen sie auch, dass ihr Kind immer sicherer wird, je eigenständiger es sich bewegen kann.

Doch warum sind Kinder im Straßenverkehr so verletzlich? Zunächst einmal sind Kinder klein und deshalb für Autofahrer schwerer zu sehen, wenn sie beispielsweise hinter dem Kühlergrill eines geparkten Autos stehen. Kinder bis etwa sechs Jahren haben ein geringeres Gefahrenbewusstsein als Erwachsene. Zudem können sie sich noch nicht so lange auf eine Sache konzentrieren. Und ihnen fehlt die Erfahrung, Geschwindigkeiten einzuschätzen oder gefährliche Situationen zu antizipieren.

Deshalb ist es so wichtig, dass Kinder im Straßenverkehr auffallen und für andere Verkehrsteilnehmer sichtbar sind. Zudem tragen sie durch das Erlernen der Verkehrsregeln dazu bei, dass sie sich nicht in gefährliche Situationen bringen.

Erstmal keine Routine: Herausforderung Schulweg

Zum Kindergarten bringen Eltern ihre Kinder in der Regel. In dem Alter sind Kinder noch nicht in der Lage, selbständig am Straßenverkehr teilzunehmen. Die Verantwortung für den Weg zum Kindergarten oder zur KiTa liegt bei den Eltern, nicht bei den Erziehern oder Erzieherinnen. Diese leisten jedoch mit Übungen wertvolle Vorarbeit in der Verkehrserziehung.

Mit der Grundschule beginnt die Zeit der Unabhängigkeit für die Kinder. Meist liegen die Grundschulen nah genug, dass man sie zu Fuß oder mit dem Rad erreichen kann. Gegebenenfalls gibt es einen Schulbusservice. Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus oder Tram kommen dann erst mit dem Wechsel auf eine weiterführende Schule.

Steht fest, welche Schule ihr Kind besuchen wird, können Sie abschätzen, wie ihr Kind am besten dort hinkommt. Praktisch ist sicherlich, die Kinder auf dem Weg zur Arbeit mitzunehmen und an der Schule abzusetzen. Aber eine gute Lösung ist es nicht immer. Eltern, die ihre Kinder in der ersten Zeit auf dem Schulweg zu Fuß oder mit dem Rad begleiten mit dem Ziel, sie später alleine gehen oder fahren zu lassen, bereiten das am besten gemeinsam vor.

Machen Sie sich bewusst, dass ab dem Schulanfang im Spätsommer die Tage immer kürzer werden, dass Dunkelheit, Regen und Nebel den Weg in der Frühe zusätzlich erschweren kann. Dann ist es gut, wenn Ranzen, Schuhe oder Kleidung mit Reflektoren ausgestattet sind, die das Kind auch bei schlechten Sichtverhältnissen auffällt.

Der kürzeste Schulweg ist nicht immer der sicherste

In der Zeit vor acht Uhr ist auf den Straßen viel los, denn nicht nur Schülerinnen und Schüler wollen pünktlich in der Schule sein, auch sind dann viele Erwachsene auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz. Die Stunden zwischen 7 und 8 in der Frühe sowie am Nachmittag zwischen 15 und 18 Uhr sind die Zeiten, an denen die meisten Unfälle passieren: Schulweg und Draußenspielzeit.

Das sind mögliche Gefahrenquellen auf dem Schulweg. Sie könnten ein Grund sein, den Weg anders zu legen:

  • eingeschränkte Sichtbarkeit an Stellen wie Einmündungen oder Einfahrten
  • enger Gehweg
  • komplizierte Wegstellen wie Kreisverkehr oder Grüner-Pfeil-Kreuzungen
  • können die Kinder alle Verkehrsschilder verstehen?
  • Sind Straßen zu überqueren? Wenn ja: Sind sie morgens und mittags stark befahren?

Positiv für den Schulweg sind:

  • Ampeln, Mittelinseln / Mittelstreifen. Sie alle erleichtern das Überqueren von Straßen. Zebrastreifen können ein falsches Sicherheitsgefühl vermitteln, brauchen also extra Übung.
  • Schülerlotsen helfen an schwierigen Stellen
  • Wegmarkierungen als Gedankenstütze, zum Beispiel Schilder, Gartendeko, ein Haus mit Giebel, ein Trafohäuschen ...
  • Gemeinsam mit anderen Kindern zur Schule laufen oder Fahrgemeinschaften mit anderen Eltern bilden

Steht die Route? Prima, dann können Sie sie jetzt mit Ihrem Kind ablaufen – am besten zu der Zeit, wenn es dann später auch zur Schule geht. Sie können schwierige Stellen identifizieren und diese besonders üben. Das ist wichtig, weil zu Schulbeginn vielleicht keine Zeit mehr dafür ist. Sich gut auszukennen, stärkt ihr Kind und gibt ihm Selbstbewusstsein.

Tipp: Wenn Ihr Kind den Schulweg alleine meistert, ist es trotzdem gut, den Weg im Blick zu haben. Baustellen, Umleitungen und andere Verkehrshindernisse können ein Grund sein, neu zu üben oder die Route zu ändern.

Stopp bei Rot: Die wichtigsten Verkehrsregeln

Im Rahmen der Verkehrserziehung an Grundschulen lernen Kinder die Regeln des Straßenverkehrs. Bis dahin können die Eltern schon einige wichtige Regeln mit ihnen besprechen und einüben.

  • Stehenbleiben und mehrfach in beide Richtungen schauen, bevor man die Straße überquert
  • Nicht einfach auf die Straße laufen, auch an Zebrastreifen nicht. Daher den Sichtkontakt mit dem anderen Verkehrsteilnehmer auf dem Rad oder im Auto suchen.
  • An der Ampel: Rot heißt Stopp, Grün heißt Gehen!
  • Der Schulweg ist kein Spielplatz, auch wenn es sicher Spaß macht, Schabernack zu treiben. Aber das ist gefährlich. Deshalb: auf dem Gehweg ruhig verhalten.
  • Gehweg und Radweg unterscheiden, wo kann ich die Straße sicher überqueren?
  • Wenn ich auf dem Fußweg radele, muss ich beim Überqueren der Straße absteigen und schieben.

Die Deutsche Verkehrswacht bietet einen einfachen Leitfaden für Eltern von Kindergartenkindern zum Download an. Moderatoren der Verkehrswacht kommen auf Wunsch zu Elternabenden und unterstützen beim Planen und Absprechen erster, einfacher Verkehrserziehungsmaßnahmen.

Dem Nachwuchs ein Vorbild: Eltern als Verkehrserzieher

Kinder schauen sich viel bei Erwachsenen ab, und besonders bei ihren Eltern. Deshalb ist es wichtig, sich diese Vorbildfunktion immer wieder bewusst zu machen. Halten Sie die Verkehrsregeln selbst gut ein und erklären Sie Ihrem Kind, was Sie tun. So kann es später positives Verhalten imitieren.

Dazu gehört es auch, mit ausreichend Zeitvorlauf loszugehen oder zu fahren, damit man nicht hektisch und verschwitzt an seinem Ziel ankommt.

Ganz wichtig: Lassen Sie das Handy im Straßenverkehr in der Tasche!

Fahrradprüfung & Co.: Das lernen die Kinder in Kindergarten und Schule

Verkehrserziehung ist eine wichtige und übergreifende Bildungs- und Erziehungsaufgabe der Schule und wird mit verschiedenen Partnern wie zum Beispiel der Polizei angeboten und durchgeführt.

Sachunterricht in der Grundschule

In den Bildungsplänen der Grundschulen ist die Verkehrserziehung im Sachunterricht im Themenfeld „Verkehr und Mobilität“ verbindlich verankert.

Der Schwerpunkt in den Klassenstufen 1 und 2 liegt dabei zunächst auf der sicheren Bewältigung des Schulwegs und später ganz allgemein auf der selbstständigen Teilnahme am Straßenverkehr als Fußgängerinnen und Fußgänger. Die Kinder lernen, Gefahren zu erkennen, einzuschätzen und darauf zu reagieren, zum Beispiel, wenn sie eine Straße überqueren. Zudem lernen sie, wie sie sich in öffentlichen und privaten Verkehrsmitteln verkehrsgerecht und rücksichtsvoll verhalten.

In den Klassenstufen 3 und 4 werden die verschiedenen Verkehrsmittel im Hinblick auf ihre Umweltverträglichkeit, Zeitersparnis und Flexibilität untersucht und die Schülerinnen und Schüler auf die praktische Radfahrausbildung vorbereitet.

Verkehrserziehung an weiterführenden Schulen

In weiterführenden Schulen ist Verkehrserziehung nicht mehr Pflicht, aber es gibt verschiedene optionale Angebote, auch für Lehrkräfte. Die Schulen können außerdem zahlreiche Präventionsangebote der Polizei wahrnehmen, beispielsweise Schulbustraining, Radhelmkampagne oder Verkehrssicherheitstage.

Erlass „Sicherer Schulweg“: digitaler Schulwegplaner

Alle Grundschulen und weiterführende Schulen in Baden-Württemberg sind außerdem verpflichtet, in Zusammenarbeit mit den Kommunen Schulwegpläne zu erstellen. Dazu werden sie durch den Erlass „Sicherer Schulweg“ aufgefordert. Mithilfe des Schulwegplaners BW können die Schulen die Schulwegpläne digital erstellen und den Eltern als Hilfestellung aushändigen.

Verkehrserziehung: Nützliche Adressen, Aktionen und Initiativen

Der ein oder andere möchte sich vielleicht noch weiter für Sicherheit im Straßenverkehr engagieren – für sein Kind oder auch allgemein im Sinne der Gesellschaft. Hier einige ergänzende Adressen von Initiativen und Institutionen rund ums Thema:

www.bussgeld-info.de/verkehrserziehung: Nützliche Informationen über verschiedene Aspekte der Verkehrserziehung für Kinder und Erwachsene

www.zufusszurschule.de: Kinderprogramm des Fachverband Fußverkehr Deutschland Fuss e. V.

www.radhelden.club: Fahrradaktionstag für Grundschulen in Baden-Württemberg des Württembergischen Radsportverbands (WRSV), des Kultusministeriums, des Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) sowie der Unfallkasse Baden-Württemberg (UKBW).

www.vcd.org Der Verkehrsclub Deutschland hat ein nützliches Papier herausgebracht mit Infos für diejenigen, sie sich für Tempo 30 einsetzen wollen.