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Medienkonsum von Kindern: Sicher online

Von der Toniebox über spezielle Kinder-Apps bis zu lustigen TikTok-Kanälen – Kinder nutzen Medien mit großer Selbstverständlichkeit. Die Geräte dienen anfangs zur Freizeitbeschäftigung, später zur Kommunikation mit Freunden und Familie und schließlich auch in Schule, Ausbildung und Beruf. Was Familien tun können, damit Kinder sicher und selbstbewusst mit elektronischen Geräten und Medienangeboten umgehen, erfahren Sie hier.

Medienkompetenz für Kinder und ihre Familien

Kommt die Rede auf Medienkompetenz, denkt man automatisch daran, Kinder und Jugendliche vor unangemessenen Inhalten zu schützen, sie möglichst lange vor dem Sog der digitalen Welt fernzuhalten. Schließlich haben Eltern heute ihre eigenen Mediennutzungsgewohnheiten, und die sind oftmals nicht vorbildlich. Doch dazu später mehr.

Hier soll es deshalb auch darum gehen, dass Kinder auf der einen Seite selbstverständlich vor Gewalt, Sexualität und jeder Form von Bedrohung und Beeinflussung geschützt sein müssen. Auf der anderen haben sie aber auch ein Recht auf Mediennutzung. Das ist in der UN-Kinderrechtskonvention, Artikel 17 festgehalten. Dort steht unter anderem: „Die Vertragsstaaten erkennen die wichtige Rolle der Massenmedien an und stellen sicher, dass das Kind Zugang hat zu Informationen und Material aus einer Vielfalt nationaler und internationaler Quellen, insbesondere derjenigen, welche die Förderung seines sozialen, seelischen und sittlichen Wohlergehens sowie seiner körperlichen und geistigen Gesundheit zum Ziel haben.“

Das bedeutet für Eltern einerseits die Pflicht, ihrem Kind den Weg in die Welt der digitalen Medien zu ebnen. Das schließt auch den Kontakt mit anderen auf digitalem Weg ein. Und dann andererseits immer ein Auge darauf zu haben, dass nur altersgerechte Medienangebote auf dem Bildschirm flimmern. Eine große Herausforderung.

Noch eine Folge: So lang sollten Kinder Medien konsumieren

Wie lange darf eine Dreijährige Zeichentrickfilme schauen? Wieviele Folgen von Bibi Blocksberg können 5-Jährige hören, ehe ihnen der Kopf schwirrt? Und ist es OK, wenn der Messenger auch nachts noch heißläuft? – Fragen über Fragen, die täglich in tausenden Familien neu ausgehandelt werden. Jedes Kind ist anders, aber die Anziehungskraft digitaler Inhalte wirkt auf fast alle. Daher hier eine grobe Übersicht darüber, wie lange Kinder online sein beziehungsweise Fernsehen schauen sollten. Dass es mal Ausnahmen geben kann – und mit Spaß auch soll – steht nicht zur Debatte!

Diese Mediennutzungszeiten empfiehlt die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung

Alter
Bilderbücher / Bücher
Hörmedien (Musik-DCs/-Dateien, Hörgeschichten
Fernsehen, DVD, Video
Computer, Spielekonsolen, Tablets, Smartphones
0-3 Jahre
regelmäßig Bilderbücher anschauen und vorlesen (ab etwa 6 Monate)
höchstens 30 Minuten
am besten gar nicht
am besten gar nicht
3-6 Jahre
regelmäßig Bilderbücher anschauen und vorlesen (ab etwa 6 Monate)
höchstens 45 Minuten
zusammen höchstens 30 Minuten
zusammen höchstens 30 Minuten
6-10 Jahre
regelmäßig vorlesen / lesen
höchstens 60 Minuten
zusammen höchstens 45–60 Minuten
zusammen höchstens 45–60 Minuten

Gemeinsam gamen: So wird die Familie zum sicheren Raum

Wie bei den meisten Themen mit Konfliktpotenzial hilft: viel Reden und sich verstehen üben. Es macht keinen Spaß, wenn die Lieblingsserie aufgrund einer vordefinierten Bildschirmzeit an der spannendsten Stelle plötzlich abbricht. Aber es ist auf Dauer ungesund und schädlich, wenn Kinder zu viel Bildschirmzeit haben.

Hier haben wie Tipps zusammengestellt, wie Familien zu einem sicheren Raum für Kinder werden. Hier können sie lernen, mit Medien umzugehen. Wie so oft gilt: Rausgehen und bewegen ist der beste Ausgleich zum Frust, wenn sich jeder hinter seinen Bildschirm verkriecht und in seiner digitalen Welt versinkt.

Vorbild Eltern

Sie sind Vorbild – Ihre Kinder lernen von Ihnen, imitieren Sie und orientieren Sich daran, was Sie ihnen vorleben. Deshalb ist es wichtig, dass Sie bewusst auf Ihren eigenen Medienkonsum achten. Wenn Sie selbst dauerabgelenkt von eingehenden Nachrichten und dem Informations- und Unterhaltungsstrom der Sozialen Medien sind – wie soll Ihr Kind lernen, sich mit wenig Bildschirmzeig zu begnügen? Prüfen Sie daher: Schauen Sie täglich fern? Läuft das Radio, obwohl niemand zuhört? Sind sie abgelenkt von dem, was Sie tun, weil sie Ihre WhatsApp-Nachrichten im Blick haben?

Einige einfache Regeln gelten für alle, nicht nur die Kids: Bei Tisch und im Gespräch haben Handy, Spielkonsole oder iPod beispielsweise nichts zu suchen.

Sich informieren

Vielleicht sind Sie gar nicht so wild auf Schminktipp-Videos auf YouTube oder die neuesten Online-Spiele? Dann müssen Sie jetzt stark sein. Denn es ist wichtig, dass Sie zumindest einigermaßen verstehen, in welchen Welten sich Ihre Kinder bewegen. Das hilft Ihnen gleich doppelt:

  • Sie können mit Ihrem Kind kompetent darüber sprechen, was es gesehen oder erlebt hat.
  • Sie können Ihr Kind vor Übergriffen oder ungewolltem Medienkonsum schützen.

Deshalb: Machen Sie sich selbst mit den technischen Geräten und deren Möglichkeiten vertraut. Ein leidiges Thema sind die Privatsphäre- und Jugendschutzeinstellungen. Sie sind aber wichtig. Hier lernen Sie zum Beispiel, wie Sie für Ihre Geräte einen Nutzer anlegen und mit allerhand Sicherheitseinstellungen kindersicher machen. So stellen Sie sicher, dass Ihre Kinder nur sehen, was sie sollen – zum Beispiel kindergerechte Apps wie die des KiKa, der Sendung mit der Maus oder auch die altersbeschränkte Version von YouTube.

Die Entwicklung rast voran: Versuchen Sie daher, bei neuen Trends auf dem Laufenden zu bleiben, damit Sie Ihre Kinder auch weiterhin begleiten können und wissen, was sie umtreibt. Mancher Hype unter Teenagern dringt nicht unbedingt in die Erwachsenen-Bubble vor – es sei denn, man hat ein offenes Ohr, zum Beispiel für gefährliche Challenges.

Kinder in die Medienwelt begleiten

Jetzt ist der Moment gekommen, sich Zeit fürs Kind zu nehmen. Schauen Sie mit ihm seine Lieblingssendung, erkunden Sie eine neue App gemeinsam. Gamen Sie gemeinsam, das kann richtig Spaß machen! Vielleicht sind Ihre Kinder ja schneller oder geschickter mit dem Gerät – ein lehrreicher Perspektivwechsel!

Erläutern Sie, was sie gut finden und was auch schwierig sein kann bei der Nutzung eines neuen Geräts. Transparenz und Klarheit wissen Kinder zu schätzen.

Dann fällt es auch leicht, mal über unangenehme Situationen zu sprechen, zum Beispiel wenn ihr Kind Nachrichten oder Videos mit beunruhigenden Inhalten gesehen hat, die es beschäftigen. Oder wenn im Klassenchat gemobbt wird.

Wo wohnen die Geräte?

Jedes Gerät sollte seinen festen Platz haben außerhalb des Kinderzimmers. Denn erstens vermeiden Eltern so unkontrollierte Dauerberieselung der Kinder, zum Beispiel mit Hörbüchern oder ohrwurmsüchtiger Kindermusik. Zudem sollte eine Stunde vor dem Schlafengehen der blau flimmernde Bildschirm von Tablet oder Smartphone aus bleiben, weil er dem Körper Tageslicht suggeriert.

Regeln schaffen Verbindlichkeit

Es ist schwer, diszipliniert mit digitalen Medien umzugehen. Haben Sie Geduld deswegen. Die Lebenswelt der Kinder heute ist eine andere als die analoge Kindheit vor 30 Jahren.

Klare Abmachungen helfen, Konflikte zu reduzieren. Vereinbaren Sie gemeinsam mit Ihren Kindern Regeln für die Internet- und Computernutzung, sowie für die Smartphone-Nutzung, die nicht nur zeitliche, sondern auch inhaltliche Aspekte von Internetangeboten oder Spielen betreffen. Die Landesanstalt für Medien NRW hat ein tolles Angebot bereitgestellt: einen modular aufgebauten Mediennutzungsvertrag, den man je nach Alter und persönlichen Wünschen zusammenstellen kann.

Tipp: Binden Sie auch die Großeltern ein. Sie neigen dazu, aus Unwissenheit und großelterlicher Großzügigkeit mehr zu erlauben, als die vereinbarten Medienregeln vorsehen.

Medien machen: kreativ werden

Besonders viel Spaß macht es, selbst mal Medien zu machen. Zum Beispiel können Sie mit Ihrem Kind gemeinsam Fotos machen und diese online bearbeiten, zu einem Fotobuch zusammenstellen oder ähnliches. Mit älteren Kindern kann man Videoclips drehen und schneiden. Das macht Spaß – und Kinder lernen viel darüber, wie die Filme entstehen, die sie täglich sehen. Ein erster Ansatz, kritischer hinzusehen.

Gewusst wo: Beratung, Unterstützung und nützliche Quellen

Das Thema Medienkonsum für Kinder und besonders die Fragen nach der richtigen Internetnutzung für Kinder, ist sehr komplex. Wer weitere Informationen sucht, wird hier fündig:

• Beim Landesmedienzentrum Baden-Württemberg gibt es jede Menge Informationen und Beratungsangebote für Eltern und Multiplikatoren wie zum Beispiel Lehrer. Den nützlichen Ratgeber „Medien – aber sicher“ kann man hier herunterladen.

• Die Broschüre „Online Sein mit Maß und Spaß“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung erläutert, wo Gesundheitsgefahren exzessiver Mediennutzung lauern und wie man dem vorbeugen kann.

• Bei der bundesweiten Initiative Schau hin gibt es nützliche Infos zu Cybergrooming, TV-Konsum, Gaming & Co. Hinter Schau hin stehen die Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten, das Bundesfamilienministerium und eine Krankenkasse.

• Wer noch auf der Suche nach Informationen ist, wird hier garantiert fündig: Das Service-Portal Baden-Württemberg hat eine thematisch sortierte umfangreiche Linkliste zusammengestellt.