Handwerk mit Tradition: Der Zuckerbäcker

Bonbons und Lollis sind Jens Meiers Leidenschaft. Seit fünf Jahren kreiert er süße Versuchungen in der Heidelberger Altstadt, die selbst Prinz William und seiner Frau Herzogin Catherine auf der Zunge zergehen.

Ein regnerischer Vormittag im Herbst: Selbst Heidelberg hat so viel Grau nur wenig entgegenzusetzen, wäre da nicht diese kleine Bonbonmanufaktur im Herzen der Altstadt. Blaue, gelbe, rote Bonbons und Lollis stehen hier aufgereiht in den Regalen. Der Duft von Orange, Apfel und Erdbeere liegt in der Luft.

30 verschiedene Bonbons und Lollis

Wie eine bunte Insel erscheint die Heidelberger Bonbon Manufaktur von Jens Meier und verheißt ihren Besuchern Süßes in tausenden Facetten. Rund 30 Sorten führt der Chef im Sortiment, darunter Bonbon-Klassiker mit Himbeer-Sahne-Geschmack, aber auch Exotisches, etwa die Macha-Grüntee-Bonbons kommen gut an. Das Besondere: Meier entwickelt die Rezepte selbst und fertigt jede Kreation von Hand. Zweimal am Tag dürfen Interessierte ihm dabei zu sehen, wie die Köstlichkeiten entstehen.
Willkommen im Lolli-Paradies! //Alle Fotos: BGV - Foto ONUK//

Zum Geburtstag viele Lutscher

Heute ist Lolli-Machen angesagt. Orangefarbene mit schwarzen Streifen und Melonen-Geschmack. So wünscht es sich Jens Meiers Sohn zum Geburtstag. „Im Prinzip sind alle Farb- und Geschmackskombinationen möglich“, erklärt der Bonbonmacher während er Zucker wiegt, den Hauptbestandteil eines jeden Bonbons. Für die eigenen Kinder muss es ein Glücksfall sein, wenn der Vater Bonbons macht, oder? „Wir haben auch nicht mehr Süßigkeiten zuhause als andere Eltern. Ich bringe nicht jeden Tag etwas mit. Aber Besonderheiten wie heute die Lollis zum Geburtstag, mache ich natürlich immer“, sagt Jens Meier und erhitzt den Zucker auf über 100 Grad. Dann gibt er den Glukosesirup dazu. „Er verhindert das Auskristallisieren“, sagt er. Sobald die Masse über 150 Grad heiß ist, gießt Meier sie auf ein Blech, vermischt sie mit Aroma und Farbstoff und fertig ist der Bonbonteig. „Wir verwenden nur hochwertige und natürliche Produkte“, erklärt Jens Meier. Das Schwarz wird aus Pflanzenkohle hergestellt, das Orange aus Carotin.
Aus Zucker und Sirup entstehen die Loliis

Nun zieht er den Teig aus, wie einen Kaugummi. Legt ihn zusammen, zieht ihn erneut aus. Sooft bis er die Konsistenz hat, die er möchte. „So kommt Luft in den Teig, die Luftbläschen sorgen für eine größere Oberfläche. Dadurch wird der Geschmack intensiver“, erklärt der Bonbonmacher. Doch was so einfach aussieht, erfordert Geschick und vor allem Timing. Denn es bleiben nur ein paar Minuten, um den Bonbonteig bearbeiten zu können. Die bunten Stränge zieht er so lange über den Zuckerhacken bis sie glänzen. Dann schneidet er einzelne Stücken ab und formt sie zu Schnecken. Jede Zuckerschnecke steckt er nun auf einen Holzstiel und lässt sie trocknen.
Die Kunst des Formens

Vom Archäologen zum Bonbonmacher

Seit fünf Jahren versorgt der gebürtige Rheinländer Naschkatzen mit Bonbons und Lollis. Eigentlich führte ihn sein Archäologie-Studium nach Heidelberg. Anschließend folgten rund zehn Jahre in der IT-Beratung und Schulung. „Dann hatte ich keinen Bock mehr. Ich wollte etwas Kreativeres machen. Der Gedanke mit den Bonbons war schon längere Zeit im Kopf und da dachte ich mir, ich muss es ausprobieren, nur dann weiß ich, ob es funktioniert. Das war natürlich ein Risiko, aber jetzt gibt es uns seit fünf Jahren und ich bin zufrieden. Die Leute kommen immer wieder, das ist das schönste Lob.“ Die Kunst des traditionellen Handwerks brachten ihm gelernte Bonbonmacher bei.

Prominente Kundschaft

Längst hat sich herumgesprochen, dass er sein Handwerk beherrscht. Weltweit schätzen Bonbon-Fans die Köstlichkeiten aus Heidelberg. Sogar der Hochadel lutscht gern die Süßigkeiten von Meier. Als Prinz William und seine Frau Herzogin Catherine im Sommer 2017 nach Heidelberg kamen, kreierte der Bonbonmacher für das berühmte Paar Lollis im Union-Jack-Look. „Das war ein Highlight meiner Karriere“, sagt Meier.

Und welche Sorte mag der Meister selbst am liebsten? „Die richtig sauren Sachen“, verrät er.
Fertig ist die Zuckerschnecke!