Unterwegs in der Region: Apfelliebe am Bodensee

Äpfel soweit das Auge reicht: Überall in Baden dreht sich jetzt alles um die süßen Früchtchen. Das zweitgrößte Apfelanbaugebiet liegt am Bodensee. Eine kleine Ode an das beliebteste Obst der Deutschen.

Ein Paradies aus Äpfeln

Apfelplantagen säumen das Ufer des Bodensees. Traktoren knattern über die Landstraßen, beladen mit den saftigen Früchtchen. Auf den Bauernhöfen stapeln sich die vollen Kisten, in den Restaurant-Küchen kreieren Köche köstliche Spezialitäten und mobile Saftpressen arbeiten jetzt im Dauereinsatz.

Ob in Stockach, Überlingen oder auf der Insel Mainau - im Herbst verwandelt sich die Region in ein Paradies für Apfelliebhaber. Denn jetzt stehen in den Bauernläden und Restaurants die süßen Früchtchen im Mittelpunkt. In ein Paradies aus Äpfeln verwandelt sich die Bodenseeregion im Herbst //Foto: mythja - stock.adobe.com//

Ernten mit Fingerspitzengefühl

Und von denen gibt es hier reichlich. Nach dem Alten Land bei Hamburg liegt die Bodenseeregion auf Platz zwei der größten Anbaugebiete Deutschlands. Auf einer Fläche von 7.000 Hektar bauen rund 1.400 Bauern mehr als 250.000 Tonnen Äpfel jedes Jahr an. Beim Pflücken benötigen die Helfer viel Fingerspitzengefühl: Jeden Apfel nehmen sie einzeln in die Hand, drehen ihn leicht nach oben, um ihn dann samt Stil vom Ast zu zupfen und vorsichtig in die Kiste zu legen. Druckstellen und fehlende Stängel sind tabu, sie lassen den Apfel schneller faulen, außerdem sehen sie unschön aus. Und das Auge isst bekanntlich mit. Deshalb kommen nur die makellosen Früchte ins „Töpfchen“. Äpfel mit Schönheitsfehlern landen direkt in der Mostkiste. In drei Etappen werden die meisten Sorten geerntet. So bekommen Äpfel, die innen am Baum wachsen, ein paar Tage länger Sonnenstrahlen ab.
Ernten mit Fingerspitzengefühl

Für jeden Geschmack etwas dabei

Insgesamt gedeihen auf den Plantagen am Bodensee rund 20 verschiedene Apfelsorten. Das warme Voralpen-Klima sorgt für ein intensives Aroma. Die Geschmacksvielfalt reicht von süß bis sauer, von würzig bis herb: Zu den beliebtesten Sorten zählt der Tafel- und Kochapfel „Elstar" mit seinem süßsäuerlichen Aroma, ein typischer Apfel in der Region. Auch der „Jonagold" wächst hier besonders häufig auf den Plantagen. Er ist ein beliebter Tafelapfel, eignet sich aber auch zum Kochen und Backen, da er schön saftig schmeckt.
Die Apfelvielfalt ist groß //Foto: Cmon – stock.adobe.com//

Eine kleine Kulturgeschichte des Apfels

Die Bauern am Bodensee sind stolz auf ihre Äpfel. Seit mehr als 1.200 Jahren wachsen die Früchte in der Region. Auch wenn wir die Früchte wie selbstverständlich als heimisches Obst betrachten, ursprünglich stammen sie aus Zentral- und Westasien, genauer aus dem heutigen Kasachstan, dessen Hauptstadt Almaty übersetzt so viel wie „Stadt des Apfels" bedeutet. In der Antike gelangte der Apfel schließlich nach Europa, wo ihn die Griechen und Römer kultivierten. Doch es dauerte lange bis sich der Anbau verbreitete. Zunächst wagten es nur wohlhabende Klöster und Fürsten Apfelbäume in ihren Gärten zu pflanzen, denn man benötigte viel Platz, einen Weizenboden und man konnte nie sicher sein, dass die Bäume auch wirklich Früchte tragen würden. Erst im 18. Jahrhundert wendete sich das Apfelblatt. Friedrich der II. verordnete den Anbau von Apfelbäumen im ganzen Land. Viele Fürsten unterstützten die Aktion, denn der Apfel galt als Symbol eines gut regierten Landes. Die Grundsteinlegung für den Siegeszug des Apfels.

Wer ist das beliebteste Früchtchen im Land?

Und der ist bis heute ungebrochen: Seit Jahren schon belegen die knackigen Früchtchen mit Abstand Platz 1 in den Beliebtheits-Rankings. Exakt 19,1 kg Äpfel isst jeder von uns pro Jahr (Platz 2 Bananen: 11,7 kg, Platz 3 Tafeltrauben: 5,1 kg). Ganze eineinhalb Kilo pro Monat! Und das Beste: In jedem Apfel stecken jede Menge wertvolle Inhaltsstoffe. So enthält allein die Schale je nach Sorte bis zu 35 Milliliter Vitamin C. Also einfach aufs Schälen verzichten und genießen!
Das beliebteste Früchtchen der Deutschen