Vorsicht, Wildwechsel! Was Autofahrer wissen sollten

Alle zweieinhalb Minuten erwischt laut Jagdstatistik ein Auto in Deutschland ein Reh oder einen Hirsch. Für seltene Arten wie Luchs oder Wildkatze sind solche Kollisionen sogar Todesursache Nummer eins. Die meisten Unfälle ereignen sich auf Bundes- oder Landstraßen, die entlang Wälder und Felder führen. Wir klären, was Autofahrer beachten sollten.

Wie können Sie das Unfall-Risiko verringern?

1. Runter vom Gas! Besonders Straßen, die durch den Wald, entlang von Feldern, Wiesen und Wasser führen, überqueren Wildtiere häufig. Auch wenn kein amtliches Wildwechsel-Verkehrsschild auf die Gefahr hinweist, passen Sie Ihre Fahrweise an und reduzieren Sie Ihr Tempo. Tiere nutzen vertraute Wege, deshalb ist auch besonders auf neugebauten Straßen durch den Wald Vorsicht geboten.

2. Hupen erlaubt! Wenn ein Tier bereits am Rand oder auf der Straße steht, sollten Sie unbedingt abblenden, bedacht bremsen und sie durch mehrmaliges kurzes Hupen aufscheuchen. „Das Aufblenden mit Fernlicht ist hingegen gefährlich, da die verwirrten Tiere auf die Lichtquelle zulaufen, anstatt die Fahrbahn zu verlassen"“, erklärt Michael Ludwig, Abteilungsdirektor im Bereich Kraftfahrt.

3. Aufmerksam bleiben! Ein Tier kommt selten allein. Rechnen Sie stets mit Nachzüglern.

Was tun, wenn ein Unfall unvermeidbar ist?

Auf keinen Fall ausweichen! Mit einem unkontrollierten Manöver gefährden Sie sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer. Besser: Halten Sie das Auto in der Spur und bremsen Sie so stark wie möglich.

Wie sichern Sie die Unfallstelle richtig ab?

1. Halten Sie an und bewahren Sie Ruhe!

2. Schalten Sie die Warnblicklichtanlage ein und sichern Sie die Unfallstelle mit Warndreieck ab. Denken Sie daran, die Warnweste anzuziehen! Gibt es Verletzte, leisten Sie Erste Hilfe und benachrichtigen Sie die Rettung (112).

3. Informieren Sie die Polizei (110), in Baden-Württemberg besteht Meldepflicht von Wildunfällen! Die Polizei kontaktiert die zuständige Forstdienststelle oder den Jagdpächter, die sich gegebenenfalls um die Beseitigung des Tierkadavers kümmern. Müssen Sie das Tier aus der Gefahrenzone ziehen, um Folgeunfälle zu verhindern, verwenden Sie unbedingt Handschuhe, verletzte Tiere nicht anfassen. Tollwutgefahr! Nehmen Sie niemals das Tier mit. Ansonsten machen Sie sich der Wilderei schuldig, es droht ein Bußgeld.

4. Lassen Sie sich eine Wildbescheinigung ausstellen.

Welche Informationen braucht Ihre Versicherung?

Auch die Versicherung sollten Sie so schnell wie möglich über den Wildunfall informieren. Als Nachweis dienen das amtliche Unfallprotokoll sowie die Wildbescheinigung. Wichtig: „Erst nachdem ein Sachverständiger den Schaden begutachtet hat, sollten Sie die Spuren am Auto beseitigen", empfiehlt BGV-Abteilungsdirektor im Bereich Kraftfahrt Michael Ludwig. „Schäden durch einen Wildunfall sind in der Regel durch die Teilkaskoversicherung abgedeckt. Nicht so ist es bei Schäden in Folge eines Ausweichmanövers. Hier lohnt ein Blick in die Vertragsbedingungen", erklärt er. Wer sein Fahrzeug Vollkasko versichert hat, ist auf der sicheren Seite: Sie greift bei selbstverschuldeten Schäden am eigenen Fahrzeug und tritt sogar dann ein, wenn Sie einem kleinen Tier, etwa einem Hasen, ausgewichen sind.